Trio Brontë

Chiara Sannicandro · Lili Bogdanova · Annie Jacobs-Perkins
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Photo: Betsa Collins

„Es ist fesselnd, wie Trio Brontë Wolfgang Rihms Fremde Szene III und ihr musikalisches Erbe mit äußerster Sensibilität in die Gegenwart bringt – erhellend, destruktiv und doch liebevoll bejahend.“

— Berliner Morgenpost

„Was für ein Klang! Er kommt aus dem Nichts und verdichtet sich zu einer Melodie voller Süße. Und dann – zart wie ein Hauch – ist er wieder verschwunden…Selten hört man Schuberts Musik so fein nuanciert…“

— Felix Jureček, Kronen Zeitung

Chiara Sannicandro, Violine · Lili Bogdanova, Klavier · Annie Jacobs-Perkins, Violoncello

Wolfgang Rihm: Fremde Szene III (11:55) Franz Schubert: Klaviertrio Nr. 1 B-Dur D. 898

Das Debüt-Album von Trio Brontë dokumentiert mehr als einen Wettbewerbsgewinn – es reflektiert eine durchdachte Herangehensweise an die Kammermusik des 21. Jahrhunderts. Das Ensemble, gegründet 2022 von der deutsch-italienischen Violinistin Chiara Sannicandro, der bulgarischen Pianistin Lili Bogdanova und der amerikanischen Cellistin Annie Jacobs-Perkins, gewann mit diesem Programm aus Wolfgang Rihms „Fremde Szene III“ und Franz Schuberts Klaviertrio B-Dur D. 898 im Februar 2025 den ersten Preis beim renommierten Wettbewerb „Franz Schubert und die Musik der Moderne“ in Graz.

Die Kombination aus Rihms radikaler Moderne und Schuberts romantischem Testament ist Ausdruck einer künstlerischen Überzeugung: Kammermusik als Dialog zwischen den Jahrhunderten. Diese CD-Aufnahme, entstanden nach dem Grazer Erfolg bei Solo Musica, dokumentiert eine interpretatorische Philosophie, die Vergangenheit und Gegenwart als Gesprächspartner versteht.

Aufgenommen im britischen Syde Manor unter der Leitung von Toningenieur Alexander Van Ingen, macht die Produktion hörbar, wie zwei Jahrhunderte auseinanderliegende musikalische Sprachen in lebendigen Dialog treten.

Wolfgang Rihm: Fremde Szenen III

Rihms „Fremde Szenen III“ beginnt wie ein Gespräch zwischen Fremden – abrupte Einwürfe, unvermittelte Pausen, plötzliche Einverständnisse. „Fremde Fragmente, die im Raum existieren“, nennt Rihm diese isolierten musikalischen Gedanken. Trio Brontë behandelt jeden Moment wie einen Fund: Annie Jacobs-Perkins lässt ihr Cello wie aus dem Nichts aufleuchten, Chiara Sannicandros Violine antwortet mit fremdartig schönen Melodiebögen, bevor Lili Bogdanovas Klavier beide Stimmen in unerwarteten harmonischen Wendungen auffängt.

Das Werk verzichtet auf dramatische Entwicklungen im traditionellen Sinn. Stattdessen führt es „durch ein tonales Terrain, das völlig ungebunden bleibt“ – ein musikalisches Gelände, das das Trio mit Entdeckerneugier erkundet. Rihms poetische Formel „Die fremde Zunge spricht Eigenstes“ wird zur sinnlichen Erfahrung: Vertraute Klänge werden fremd, fremde Klänge vertraut.

Chiara Sannicandros Interpretation auf ihrer Matteo Goffriller Violine von 1723 macht die Schumann-Verbindung spürbar – nicht durch Zitate, sondern durch jene Sensibilität, mit der das Trio zwischen zerbrechlichen Momenten und energiegeladenen Ausbrüchen navigiert. Annie Jacobs-Perkins, verwurzelt in der deutschen Avantgarde des Ensemble Modern Frankfurt, verwandelt Rihms komplexe Cellostimme in eine Klangsprache zwischen perkussiven Schlägen und gesanglichen Linien.

Franz Schubert: Klaviertrio B-Dur D. 898

Schuberts B-Dur-Trio ist ein Paradox: entstanden in tiefster Lebenskrise, strahlt es ungebrochene Lebenslust aus. Jeder Satz wechselt zwischen freudigem Aufblühen und innigem Gesang – melodische Bögen, die sich scheinbar mühelos entfalten, bevor sie in unerwartete harmonische Wendungen münden.

Der erste Satz beginnt mit einer schlichten Melodie. Doch bereits nach wenigen Takten zeigt sich Schuberts Kunst der Überraschung: Was als einfaches Lied begann, verwandelt sich in komplex verflochtene Polyphonie. Lili Bogdanovas Klavierspiel erfasst sowohl Schuberts lyrische Einfachheit als auch seine harmonische Raffinesse.

Das berühmte Adagio offenbart Schuberts „schön menschliche Empfindung“ in reinster Form. Annie Jacobs-Perkins gestaltet die Cellostimme als emotionales Fundament, das zwischen zarten Begleitfiguren und expressiven Melodieführungen wechselt.

Schuberts Scherzo spielt mit rhythmischen Überraschungen und metrischen Verschiebungen, die das Trio mit spielerischer Leichtigkeit meistert. Das Finale vereint Variationstechnik mit sonatenförmiger Entwicklung – ein kompositorisches Kunststück, das als organisches Ganzes präsentiert wird.

Beide Werke teilen eine grundlegende Eigenschaft: Sie lassen Musik entstehen, statt sie zu konstruieren. Rihms „Versuche“ und Schuberts scheinbar mühelose Naturpoesie folgen ähnlichen Prinzipien: spontaner Ausdruck, der sich seiner eigenen Logik überlässt. Trio Brontë macht diese Verwandtschaft hörbar, indem es beide Werke als Dialoge zwischen drei gleichberechtigten Stimmen gestaltet.

 

Trio Brontë

Gegründet 2022 in Berlin von der deutsch-italienischen Violinistin Chiara Sannicandro, der bulgarischen Pianistin Lili Bogdanova und der amerikanischen Cellistin Annie Jacobs-Perkins, verbindet das Ensemble drei Kontinente zu einer künstlerischen Überzeugung.

Der Name „Brontë“ verweist auf die drei legendären Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë, die im 19. Jahrhundert mit ihren leidenschaftlichen Romanen die Literaturwelt erschütterten. Wie die Brontë-Schwestern, die für kreative Unabhängigkeit, gegenseitige Unterstützung und den Mut zu neuen Wegen standen, vereint das Trio drei starke künstlerische Persönlichkeiten aus verschiedenen kulturellen Hintergründen zu einer gemeinsamen Vision. Die Namensgebung reflektiert ihr Verständnis von Kammermusik als Erzählkunst. Jede Aufführung wird zu einer Geschichte, die durch die Interaktion der drei Instrumente erzählt wird.

Unter Jonathan Aners Leitung an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin entwickelte das Trio seine charakteristische Fähigkeit zur musikalischen Synthese. Aners pädagogischer Ansatz – intensive Werkanalyse verbunden mit interpretatorischer Freiheit – prägt die Herangehensweise des Ensembles: kompositorische Strukturen zu durchdringen, ohne die emotionale Unmittelbarkeit zu verlieren.

Bereits nach wenigen Monaten gewann Trio Brontë 2023 den ersten Preis beim Ilmari Hannikainen International Piano Chamber Music Competition in Finnland. 2024 folgte der erste Preis beim Franz Schubert und die Musik der Moderne Competition in Graz, 2025 der zweite Preis beim Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerb in Berlin. Als Britten Pears Young Artists 2024-2025 gastierten sie im Konzerthaus Berlin, Mendelssohn-Haus Leipzig und Aldeburgh’s Jubilee Hall. Ihr Repertoire umfasst 45 Prozent zeitgenössische Musik – von Wolfgang Rihm bis zu Uraufführungen von Thomas Turriago und Xiaowen Lei.

Chiara Sannicandro wurde 2021 als Laureatin des Joseph Joachim Violin Competition ausgezeichnet und erhielt dabei auch den Publikumspreis. Die deutsch-italienische Violinistin spielt eine Matteo Goffriller Violine von 1723, die ihr von der Deutschen Stiftung Musikleben zur Verfügung gestellt wurde. Ihre Ausbildung führte sie vom Mozarteum Salzburg über die Indiana University nach Berlin, wo sie derzeit bei Antje Weithaas an der Hochschule für Musik Hanns Eisler studiert.

Lili Bogdanova wurde 2014 vom Bulgarian National Radio zur Young Musician of the Year gekürt. Die bulgarische Pianistin studierte in Bulgarien, Italien und an der Sibelius Academy in Finnland, bevor sie ihr Studium bei Eldar Nebolsin an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin fortsetzte. Seit 2019 ist sie Stipendiatin von Yehudi Menuhin Live Music Now Berlin.

Annie Jacobs-Perkins gewann 2023 den Pierre Fournier Award und 2024 den ersten Preis beim Buchet International Cello Competition. Die amerikanische Cellistin ist Gast-Cellistin des Ensemble Modern Frankfurt und Principal Cellist des Phoenix Chamber Orchestra Boston. Ihre Ausbildung absolvierte sie an der USC Thornton School, dem New England Conservatory und der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Derzeit studiert sie an der Barenboim-Said Akademie.

www.triobronte.com