MAXIMILIAN HABERSTOCK

JUNGES PHILHARMONISCHES ORCHESTER MÜNCHEN
Maximilian Cem Haberstock PORTRAIT @Anja Ostermann (in front of Bavarian State Opera) 2024

Photo: Anja Ostermann

„Mit diesem breiten Klangbild fällt er komplett aus der Zeit. Das wagt heute kaum jemand. Die Wirkung: beeindruckend, außergewöhnlich. Ungläubig fragt man sich: wie konnte es einem so jungen Mann gelingen, ein so hervorragendes, alle Erwartungen übertreffendes Orchester zu gründen?“

— Klassik begeistert

„Dass sich ein junger Dirigent wieder weg von Originalklang und Partitur-Positivismus hin zum romantisierend deutschen Klang bewegt, ist äußerst erfrischend. Das Resultat ist nicht etwa verstaubt. Vielmehr zeigt Haberstock jenen Mut zur Interpretation, der vielen leider im immer mehr akademisierten Musizieren verloren gegangen ist.““

— Willi Patzelt

Maximilian Haberstock ist 21 Jahre alt und verfolgt eine Vision, die im Jahr 2025 fast provokant wirkt: Den Klang der großen Orchestertradition des 19. Jahrhunderts ins 21. Jahrhundert zu tragen. Dafür hat er siebzig herausragende Musikerinnen und Musiker aus über zwanzig Nationen – von Belgien bis USA, von China bis zur Ukraine – um sich versammelt und das Junge Philharmonische Orchester München gegründet. Sein Leitmotiv klingt wie eine Kadenz ins Unabgeschlossene: „Die Schöpfung ist nicht zu Ende, ich führe sie weiter.“ Als Dirigent versteht er sich als innovative Kraft, für die Musik nicht bloß Interpretation bedeutet, sondern Teilhabe an einem fortlaufenden Prozess gesellschaftlicher Erneuerung.

Ein Abend im Mai 2025 im ausverkauften Großen Saal des Mozarteums Salzburg: Das Programm besteht ausschließlich aus Beethoven – das fünfte Klavierkonzert und die Siebte Symphonie mit der gefeierten Pianistin Eva Gevorgyan. Am Ende gibt es stehende Ovationen. Nicht nur hier, sondern überall, wo das Orchester seit seinem Debüt 2023 aufschlägt, entfaltet sich diese Resonanz.

Ein 21-Jähriger, der sich zur deutschen Dirigiertradition von Wagner über Furtwängler bis Karajan bekennt und gleichzeitig seine künstlerische Arbeit auf Instagram kuratiert, beim Verbier Festival internationale Netzwerke spinnt und mit Lang Lang vor dem Bundespräsidenten musiziert – solche Verbindungen irritieren auf produktive Weise. Was, wenn die eigentliche Innovation gerade darin besteht, einen eigenen Weg zu gehen, jenseits gehypter, aber manchmal auch ausgetretener Zeitgeist-Pfade? Für die Generation Z, die in einer Zeit fragmentierter Aufmerksamkeit aufwächst, bietet Haberstock eine Einladung zu einer neuen kulturellen Besinnung: Klassische Musik als Raum für Konzentration, Kontemplation und geistige Durchdringung.

Haberstocks Repertoire kreist um Beethoven sowie die Romantik und Spätromantik. Brahms, Wagner, Schumann, Mendelssohn, Richard Strauss und Tschaikowsky bilden die tragenden Säulen seines künstlerischen Programms – was aber nicht Rückzug in die Vergangenheit, sondern Vertiefung bedeutet.

Mit sieben Kontrabässen ist das junge Orchester besetzt, wo sonst drei oder vier reichen müssen – dahinter steht eine bewusste künstlerische Entscheidung, um ein klangliches Fundament von eigener Gravitation zu schaffen. Warm, dicht, von den tiefen Registern getragen, wurzelt dieser Orchesterklang in der deutschen Tradition des 19. Jahrhunderts und will doch nicht nostalgisch sein. „Ich glaube, dass ein Hang zur Romantisierung unserem Lebensgefühl entspricht“, begründet Haberstock diese ästhetische Setzung.

Die Musikerinnen und Musiker kommen von den renommiertesten Institutionen, etwa von der Hochschule für Musik München, vom Verbier Festival, vom Mahler Student Festival Orchestra, ebenso von den Orchesterakademien der Berliner Philharmoniker, vom Royal Concertgebouw Orchestra und aus dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Was sie eint, ist die Bereitschaft, sich dem größten Luxus hinzugeben, den die beschleunigte Gegenwart kaum noch kennt: sich Zeit zu nehmen. Zeit für Details, zum Experimentieren, um gemeinsam jenen Klang zu finden, der nicht nur geprobt, sondern erarbeitet sein will. Akribisch bereitet Haberstock für jedes Werk sein eigenes Orchestermaterial vor – eine Praxis, die er von den großen Dirigenten der Vergangenheit übernommen hat.

Die bisherige Erfolgsgeschichte mutet spektakulär an für ein Orchester, das erst gut zwei Jahre alt ist: Im Mai 2023 debütierte das Ensemble im Carl-Orff-Saal München mit dem Cellisten Alban Gerhardt. Im Mai 2024 folgte ein Konzert mit Daniel Müller-Schott und Tassilo Probst. Im Mai 2025 führte ein reines Beethoven-Programm in Salzburg und München zu ausverkauften Sälen und stehenden Ovationen.

Im März 2026 führt die nächste Tournee durch vier bedeutende Musikstädte: Am 15. März erklingt das Orchester im Smetana Saal in Prag, am 17. März im Friedrich-von-Thiersch-Saal in Wiesbaden, am 18. März in der Alten Oper Frankfurt und am 19. März im Herkulessaal München. Auf dem Programm stehen Wagners Ouvertüre zu „Die Meistersinger von Nürnberg“, Liszts zweites Klavierkonzert mit dem Pianisten Maxim Lando und Beethovens Fünfte Symphonie. Gerade weil diese Werke zum Kernrepertoire gehören, verlangen sie höchste interpretatorische Verantwortung – jede neue Deutung muss sich behaupten gegen die Präsenz der großen Einspielungen.

Und schon jetzt läuft der Countdown im Hinblick aufs Jahr 2027, in dem der 200. Todestag Ludwig van Beethovens begangen wird. Auch hier wird groß gedacht, wenn „Beethoven 2027″ als Großprojekt mit internationalen Tourneen und Aufnahmen daher kommt. Geplant sind außerdem drei bis vier große Sinfoniekonzerte und Tourneen pro Saison, die Gründung eines Chores sowie konzertante Opernaufführungen. Die begleitende mediale Strategie wird der Gegenwart seiner Generation im 21. Jahrhundert gerecht: Konzertfilme der Beethoven-Sinfonien für YouTube und symphony.live, eine mehrteilige Dokumentation im Netflix-Format über den Orchesteraufbau und die künstlerische Vision sowie Social-Media-Formate, die mit einem Countdown zu 2027 bereits jetzt spannende Erwartung aufkommen lassen. Workshops und offene Proben wollen neue Zugänge für junge Menschen schaffen, die klassische Musik nicht als museales Erbe, sondern als lebendige Auseinandersetzung erfahren.

Biografie

Maximilian Haberstock wurde 2004 in München geboren und studiert Klavier bei Prof. Thomas Böckheler an der Hochschule für Musik und Theater München sowie Dirigieren bei Prof. Georg Christoph Sandmann. Als mehrfacher Preisträger im Fach Klavier trat er bereits als Jugendlicher in der Carnegie Hall auf und musizierte gemeinsam mit Lang Lang vor Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Prägend war die Begegnung mit Mariss Jansons, dem verstorbenen Chefdirigenten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, der zu seinem künstlerischen Mentor wurde. Weitere Bezugspunkte sind Christian Thielemann sowie die große deutsche Dirigiertradition von Wilhelm Furtwängler über Herbert von Karajan bis zu Willem Mengelberg – eine Genealogie des Klangs, die sein ästhetisches Denken grundiert.

Am Verbier Festival war er 2018 und 2019 als Pianist und Junior Conducting Fellow tätig, 2021 als Dirigierassistent von James Gaffigan. 2023 wurde er als jüngster Teilnehmer je in die renommierte Gstaad Conducting Academy aufgenommen. Seine Dirigier-Erfahrung sammelte er bewusst abseits etablierter Institutionen: 2022 dirigierte er mit 18 Jahren Beethovens Neunte in Craiova, Rumänien, und wurde daraufhin Erster Gastdirigent (2023–2025). Es folgten Einladungen nach Izmir und Novi Sad sowie Opernproduktionen in Craiova, Plovdiv und Antalya – Stationen einer Laufbahn, die nicht auf den ausgetretenen Pfaden verläuft.

www.maximilianhaberstock.com