UNITED BY PASSION FOR MUSIC

Luis Schmidt und die Capella Edina
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Photo: Euan Robertson

„Der Orchesterklang war herausragend, besonders die Blechbläser … Dieser erste Auftritt der Capella Edina bewies ein hohes professionelles Niveau.“

Edinburgh Music Review

Luis Schmidt, Dirigent aus München und gerade 22 Jahre alt geworden, hat im Jahr 2024 in Edinburgh die Capella Edina gegründet – das erste professionelle philharmonische Orchester der schottischen Hauptstadt seit 1937. Und es herrscht Aufbruchsstimmung: Unter dem Leitgedanken „United by Passion for Music“ verbindet das Ensemble sinfonische Exzellenz mit Community-Arbeit. Programmatische Offenheit wird dabei großgeschrieben – sie reicht von britischer Spätromantik bis zum Crossover mit Indie-Musik. In seiner zweiten Saison 2026 gibt die Capella Edina vier Konzerte an Orten zwischen der Caird Hall in Dundee und der Usher Hall in Edinburgh.

 

Edinburgh, Schottlands Hauptstadt, UNESCO-Literaturstadt, Heimat des größten Kulturfestivals der Welt – diese Stadt hatte seit 1937 kein eigenes professionelles philharmonisches Orchester mehr. Fast neunzig Jahre lang. Dass diese Lücke jetzt von einem 22-jährigen Deutschen geschlossen wird, der in München aufgewachsen ist, in Großbritannien studiert und gelebt hat und in Zürich über das Verhältnis von Bruckner und Wagner promoviert – das klingt nach einer jener Geschichten, die man erfinden müsste, gäbe es sie nicht. Aber Luis Schmidt ist sehr real. Und die Capella Edina, das von ihm 2024 gegründete Orchester, ist es auch.

Was auf den ersten Blick wie ein ambitioniertes Studierendenprojekt wirken könnte, hat in kurzer Zeit eine starke institutionelle Dynamik entfaltet. Bereits 2025 bestätigte der Lord Provost von Edinburgh – das Äquivalent zum Oberbürgermeister – die Capella Edina anlässlich des 900-jährigen Stadtjubiläums offiziell als »The City of Edinburgh’s Philharmonic Orchestra«. Das Debüt war nicht minder eindrucksvoll: Beim Jubiläumskonzert in der Usher Hall spielte das Orchester vor 1.500 Zuhörern. Schirmherr ist His Grace the Duke of Hamilton, ranghöchster Peer Schottlands, Hüter des Palace of Holyroodhouse und Bearer of the Crown of Scotland. Als Honorary President steht der Opernstar Sir Thomas Allen CBE hinter dem Projekt.

Schmidt hat das Orchester nicht im Alleingang aufgebaut. Mitgründer sind der Dirigent Robert Ames, Co-Chefdirigent und künstlerischer Leiter des London Contemporary Orchestra, sowie Christopher Bruerton, erster Bariton der King’s Singers. Hinter dem gewählten Motto „United by the passion of Music“ steht eine künstlerische Vision: Die Capella Edina will nicht einfach den konventionellen Konzertbetrieb bedienen, sondern der Stadt eine umfassende musikalische Heimat geben, in der klassische Musik für Menschen aller Hintergründe zugänglich wird und sich in der Stadtgesellschaft verankert. Eine Partnerschaft mit der Portobello High School bringt Workshops in den Schulalltag.

Wer verstehen will, woher der künstlerische Anspruch kommt, muss einen Blick auf Schmidts Ausbildung werfen. Mit 17 Jahren wurde er Privatschüler von Bruno Weil, dem international renommierten Dirigenten und Haydn-Forscher, der mit den Berliner und den Wiener Philharmonikern ebenso gearbeitet hat wie mit dem Boston Symphony Orchestra. Weil steht in der Tradition von Hans Swarowsky, jenem legendären Wiener Dirigierprofessor, der als Schüler Arnold Schönbergs eine ganze Generation von Pultstars prägte. Die Linie Schönberg – Swarowsky – Weil – Schmidt ist keine biografische Fußnote, sondern eine stilistische DNA, die man in der Orchesterarbeit des jungen Dirigenten hört. Schmidts Klang wird als dunkel, kraftvoll und deutsch im Charakter beschrieben und ist dabei zu überraschender Intimität fähig.

Das Repertoire der Capella Edina spiegelt Schmidts eigene Doppelverankerung: britische Orchesterliteratur von Elgar über Vaughan Williams bis Britten trifft auf die deutsche Spätromantik um Bruckner, Strauss und Wagner – ergänzt durch zeitgenössische Auftragswerke, darunter zwei bereits realisierte Uraufführungen des Komponisten James Clay. Ein Profil, das Haltung zeigt statt auf Sicherheit zu setzen. Um die schottische Hauptstadt in einer großen Leidenschaft für Musik zu vereinen, geht Schmidt bewusst unkonventionelle Wege. Die zweite Saison spannt mit vier Konzerten von Mai bis November einen Bogen, wie ihn kein anderes britisches Orchester bietet: eine sinfonische Kollaboration mit der Band of His Majesty’s Royal Marines Scotland, ein pastoral-britisches Programm zum 50. Todestag Benjamin Brittens, dazu – wie schon im Vorjahr – ein kostenloses Konzert, das sich ganz der Musik Schottlands widmet, sowie ein Crossover-Abend mit dem Indie-Künstler Fink, für den Schmidt und Chester Tribley eigens Orchestrierungen geschrieben haben. Die Konzerte finden nicht nur in Edinburgh statt, sondern auch in Dundee. Dass mehrere dieser Abende bei freiem Eintritt stattfinden, ist kein Zugeständnis, sondern Programm.

Die Ambitionen reichen über Schottland hinaus. Für 2028 wird eine Tournee durch Deutschland und die Schweiz geplant, mit Konzerten in Berlin, Bern, München und Zürich. Das ZDF, Deutschlands öffentlich-rechtlicher Fernsehsender, hat bereits ein Porträt über Schmidt und sein Orchester ausgestrahlt. Langfristige Vorbilder sind die Sinfonia of London unter John Wilson und das Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer – Ensembles, die internationale Spitzenqualität mit einer tiefen Verbindung zu ihrem Ort vereinen.

Luis Schmidt wurde 2004 in München in eine nicht-musikalische Familie geboren. Am Klenze-Gymnasium lernte er zunächst Trompete, bevor er als Schüler erste Ensembles gründete und bis zum Kammerorchester ausbaute. Nach dem Schulabschluss studierte er Musikwissenschaft an der Newcastle University in Großbritannien. Heute lebt er abwechselnd in Gropbritannien und in der Schweiz, wo er zurzeit an der Universität Zürich an seiner Promotion arbeitet. Sein Forschungsthema ist die Beziehung zwischen Bruckner und Wagner und deren Konsequenzen für die Aufführungspraxis. Er führt die Capella Edina als Musikdirektor und Vorstandsvorsitzender. Sein Debüt mit dem Orchester gab er mit Bruckners Sechster Sinfonie. In der Saison 2026 arbeitet er mit dem Oboisten Ralf Ebner (zugleich sein Mentor) und dem aufstrebenden Münchner Geiger Andrea Cicalese zusammen.

Konzerte Saison 2026:

»Voyage« — 1. Mai 2026, 19:30 Uhr, Caird Hall, Dundee. Sinfonische Kollaboration mit der Band of His Majesty’s Royal Marines Scotland. Beethoven Wellingtons Sieg, Puccini Preludio Sinfonico, Mozart Zauberflöten-Ouvertüre, R. Strauss Wiener Philharmoniker Fanfare. Pipes & Drums. Benefizkonzert zugunsten der Royal Marines Charity.

»Spring« — 3. Juni 2026, 19:30 Uhr, Assembly Rooms, Edinburgh. Pastorales Programm. Vaughan Williams Fantasia on a Theme by Thomas Tallis und Oboenkonzert (Solist: Ralf Ebner), Britten Suite on English Folk Tunes (zum 50. Todestag), Copland Appalachian Spring.

»Scotland« — 15. September 2026, 19:30 Uhr, Usher Hall, Edinburgh. Bruch Schottische Fantasie (Solist: Andrea Cicalese), MacMillan Larghetto, Richter On the Nature of Daylight, Scottish Act mit Pipes & Drums. Eintritt frei, Spendensammlung für den One City Trust.

»Fink Live with Orchestra« — 19. November 2026, 19:30 Uhr, Usher Hall, Edinburgh. Der Indie-Künstler Fink mit Capella Edina. Orchestrierungen von Luis Schmidt und Chester Tribley, ergänzt um das postminimalistische Werk Lyrae.

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capella-edina.com